Fragen und Antworten zum (Rad)-Reisen in Marokko

Inhalt:

Reisezeit
Routenplanung
Wasser / Ernährung
Karten / Orientierung
Strassenzustand / Fahren in der Wüste
Hiking / Muli-Trekking / Climbing
Hitchhiken
Sicherheit
Islam
Sprache
Hotel / Pension und Zelt
Bergausrüstung
Reiten
Gefahren
Empfehlungen (Where to go)
Empfehlungen für Rad-Ausrüstung

---------------------------------------------------------

Reisezeit

F: Meine Freundin und ich planen einen 5 wöchigen Bike-trip im Oktober.

A: Gute Zeit z.B. für Marokko/Kanaren! Immer gehen, wenn´s hier ungemütlich ist - an einen Ort, der besseres bietet. Und nach Klimatabellen muß man eben deutlich Richtung Süden...

Routenplanung

F: Wenn du 5 wochen haettest, wie....?

A: Ich habe zunächst alle möglichen Infoquellen genutzt, Internet, Baedecker, ADAC, Auswärtiges Amt, ... um herauszufinden, was ich sehen will und eine Idee zu bekommen wie warm, befahrbar etc. es ist. (zu aktuellen Infos s. meine Links).

Der Norden ist dabei rausgefallen (Mistwetter, wegen Drogen gefährlich im Rif).

Wenn ich 1 Wo. mehr gehabt hätte, würde ich mir wahrscheinlich spontan einen schönen Strand nördlich von Agadir gesucht (s. Autotour in meinem Bericht), oder mir ein Motorrad für die Sahara gemietet haben (Ich habe genügend DT125 und eine TT600 (leider Superbike Umbau...) gesehen).

Wasser / Ernährung

F: Wieviel pro Tag, woher und wieviel Reserve?

A: 3-7 l je nach Durst, ist von den Kilometern abhängig, zu heiß ist es nicht. Ich bin kein Fan vom Wasserfiltern/Entkeimen, es ist überhaupt kein Problem Wasser zu kaufen. Sidi Harazem und andere marrokanische Mineralwässer fand ich lecker, gibt´s in jedem Dorf. Reserven sind nicht nötig. Auch Softdrinks (Cola, Fanta...) sind überall zu bekommen, manchmal gierte ich richtig nach Zucker und Geschmack. Lässt sich übrigens auch gut mischen...

Ich habe relativ wenig gegessen, oft ein Keks oder eine Banane beim "Tanken".

Karten / Orientierung

F: Wie an eine brauchbare Karte kommen?

A: 1:800.000 (gibt´s in jeder Buchhandlung) reicht, wenn man sich an die Asphaltrouten hält. Orientierung auf Asphalt ist easy, es gibt überall Schilder mit Arabischen und englischen Namen. Die touristischen Highlights sind per Asphalt oder Piste erreichbar, man braucht hier eigentlich gar keine Karten.

Ich habe mittlerweile viele Bücher von Afrikaradlern gelesen, die schlagen sich alle gut so durch. Ansonsten:

Auf den Gebirgspisten habe ich mich mit der 800.000er mal verfranst: der Pfad gabelte zigfach. Es ist fraglich, ob mir hier eine genauere Karte geholfen hätte. Habe erfolglos Nomaden und die Sonne befragt und dann am Horizont Autos (genauer gesagt aufgewirbelten Staub) gesehen und mich dahin orientiert...

Detailliertere Karten gibt´s in Casablanca (auf Wunsch gucke ich mal in meiner Literatur, wo) oder z.B. bei Därr in München (z.B. russische Generalstabskarten, s. meine Links).

Die Detailkarte von der Umgebung des Djebel Toubkal habe ich unnötigerweise einem Guide abgekauft und gescannt (1:50.000 oder 1:25.000 glaube ich).

Die Sahara finde ich nicht spannend genug für´s Radeln (Mit dem Motorrad schaut´s da anders aus...), als das ich mich mit Spezialkarten und GPS vorbereiten wollte. Kleine Abstecher von 40 km kosten schon einen ganzen Tag, und geben eine genügend gute Vorstellung, wie abwechslungsreich Wüste ist (kein Scherz).

Strassenzustand / Fahren in der Wüste

Verkehr ist geringer und angenehmerweise langsamer als bei uns. Radfahrer sind respektiert (Es fahren ja viel mehr als bei uns). Straßen sind sehr gut. Bei kurzen Unterbrechungen der Geröllpiste durch Sand (Verwehungen bis 10 m) hat sich folgende Fahrtechnik bewährt: Gas geben und stetig am Lenker rütteln, so bleibt man in der Spur. Ansonsten schiebt man halt mal ein wenig. Dünen kann man natürlich mit dem Rad nicht bezwingen...

Wasser habe ich nur einmal gequert, war witzig.

Hiking / Muli-Trekking / Climbing

F: ist der von bestiegene berg zu verfehlen? ausruestung? Was für Ziele gibt´s noch?

A: Wir haben erfahrene Bergwanderer getroffen, die die Route ohne Guide gegangen sind. Es geht also ohne. Ob wir es allein so problemlos geschafft hätten wage ich zu bezweifeln. Vor allem war es sehr nett vom Guide bekocht zu werden, bei ihm zu wohnen und auch mit Crampons (Steigeisen) ausgerüstet zu werden. Er hat für 3 Tage/2 Personen ca. 200,- bekommen, allein Steigeisen zu kaufen ist teurer und man muß sonst ja auch alles mit sich rumschleppen oder teuer zurückschicken (Ein Eispickel gibt zusätzliche Sicherheit). Wenn Ihr es selbst angehen wollt: Ich habe ein Wandertourenbuch der Atlasregion (s. Buchrezensionen) und habe die Karte (1:50.000) gescannt. Man kann auch Esel mieten und tolle Touren über z.B. eine Woche machen! Reiseveranstalter nehmen für so was bestimmt 5.000,- DM. Ach ja: Esel und Guide finden Euch, Ihr müsstet nur im Bergdorf ankommen ;-)

Hitchhiken

F: Auch mitten am Weg? scheint ja problem zufunktionieren, kommt dabei aber nicht das gepaeck meist aufs dach?

A: Kostet kleine Beträge, halte es für sicher und ich glaube man wird immer einen "lift" finden. Ja Fahrad (und manchmal auch man selbst) kommt meist auf´s Dach (LKW, Taxi, Busse), ein netter R4 Fahrer hat das Rad auch hinten eingeladen (Klappe blieb auf, hust!). Bei mir ist erst auf dem Rückflug etwas leicht beschädigt worden, hat die Airline Air Marokko erstattet.

Sicherheit

F: Welche Gaunereien sind eigendlich in Marokko beliebt und gibt es einen Schwarzmarkt zum Geldwechseln?

A: Mir ist noch nirgends auf der Welt (und ich war schon viel unterwegs) was geklaut worden, ich bin nur in Deutschland (mit einer Pistole am Kopf, sic!) je bedroht worden. Mit

ist es bei mir immer gut gegangen. Die stete Aufmerksamkeit kostet nur etwas Nerven, aber weniger als der Ernstfall.

Das das Rif-Gebirge gefährlich ist, sagen viele Quellen, ich habe es daher gemieden.

Ich war nicht interessiert schwarz zu tauschen, da ich ein kleines Risiko sehe, dass der Wechsler bescheisst (falsche Scheine, Umtauschkurse), oder man anschliessend Probleme mit bereits wartenden Gaunern/Polizisten (arbeiten Hand in Hand mit dem Wechsler um zu klauen, Schmiergeld zu kassieren). Die Banken nehmen manchmal überhöhte Preise für Traveller Schecks, mit der Kreditkarte (VISA/Eurocard) kommt man besser weg, auch beim Einkaufen von Teppichen etc.

Das ich nachts im Gebirge eine Heidenangst vor dem Hunde(?)-Rudel hatte, kann man im Bericht nachlesen. Ich wage ich nicht mir vorzustellen, was passiert wäre, wenn sie mich erwischt hätten. Ob die mich gerissen hätten? Ich habe auch keine Idee, wie man sich darauf vorbereitet/davor schützt (Pfefferspray? Signalraketen? Böller?).

Fazit: Klar zahlt man mal etwas Lehrgeld, aber von einem echten Schaden kann man (in Indien hat uns einer mal fast 9,- DM abgeluchst, eine für Indien unglaublich hohe Summe: dafür kann man einen ganzen Tag einen Threewheeler mieten) nicht reden. Zum Übers-Ohr-Hauen gehört immer auch der, der sich über´s Ohr hauen lässt. Will sagen: Gegen Handeln und auch Bescheissen kann ich nix sagen, da ich mich ja wehren kann, kann man fast als Sport auffassen, die List und Tücke vorherzusehen, kann aber auch zu anstrengend werden - im Gegensatz zu gewalttätiger Überzeugung, gegen die ich mich nicht wehren würde.

Islam

F: Problem für Frauen?

A: Ich habe oft wegen der Sonne, des Staubes oder der Kühle lange Hose, und Langärmliges angehabt. Empfiehlt sich vielleicht für Frauen in Ortschaften. Ansonsten keine Ahnung.

Sprache

F: Wie verstaendigen?

A: Bei mir: Hände, Füße, Englisch, Deutsch. Ansonsten: Arabisch und Berber

Hotel / Pension und Zelt

F: Kosten, Sicherheit?

A: Hängt ganz von der Lokation (Touriorte sind teurer) und dem Komfortbedürfnis ab, fängt bei ca. 5,- an, auch ein gutes 4 Sternehotel hat mich grad 50,- gekostet. gezeltet habe ich nur, wo´s nicht anders ging, aber ich fand es sicher

Bergausrüstung

Bergschuhe und Sonstiges (Fleece, Regenjacke, Handschuhe, Rettungsdecke, Schlafsack...) mitnehmen

der guide und seine Ausrüstung (Steigeisen, Eispickel) haben uns gefunden, nicht wir ihn ;-)

Reiten

Auf dem Esel reitet man ja nicht fulltime, aber das Gepäck muß er halt tragen. Ist schon komfortabler. In Ecuador bin ich übrigens auf´s Pferd gekommen, mit den kleinen leicht "bedienbaren" Pferden fand ich´s klasse, bin richtig infiziert. Wir sind dann in Chile gleich nochmal in die Anden geritten (Hatten vorher richtig reiten und spanisch gelernt).

Empfehlungen (Where to go)

Also, ich empfehle nicht: Casablanca (war da, lohnt nicht), Rifgebirge (gemieden, da viele Warnungen).

Ich empfehle: meine Tour :-) Ganz im Ernst, bin ich mit allem sehr zufrieden und vermisse höchstens die Königsstädte (Fez, ...).

Empfehlungen für Rad-Ausrüstung

Fahrradständer (für Fotos, in der Wüste kann man das Rad nicht dekorativ an einen Baum lehnen ;-)

Rückspiegel (es ist beruhigend den LKW kommen zu sehen, statt ihn nur zu hören...)

Ein 28 Zoll Trekking Rad (relativ dünner Bereifung (Schwalbe Marathon)) war in meinem Fall ideal um viele Kilometer zu fressen, die Bereifung hatte aber im Gelände in Kombination mit der schwächelnden Luftpumpe Ihre Schwächen. Andere bevorzugen 26 Zoll Mountainbikes mit echter Geländebereifung.

Kilometerzähler hilft bei der Motivation (s. auch Orientierung!)

Wenig Gepäck ist mehr - alles ist leichter, nicht nur die Bergetappen, auch Umstieg auf Bus, Bahn, Flieger, Taxi. Evtl. wasserdichte Taschen (für andere Touren ;-)). Ich hatte VauDe Taschen, die haben allen Beanspruchungen gut standgehalten, es kam nur zu einem Bruch von einem kleinen Teil. VauDe hat mir das ersetzt und sogar noch weiteres nützliches Zubehör geschenkt (das war das einzige "Sponsoring").